Bangbus in Schweden

Wir schreiben das Jahr 2017. Oldenburg. In einem Autobahn nahen Café – unterhalb eines sehr guten Zahnarztes – in Nadost treffen sich ein grummeliger Internet-Entwickler und ein charismatischer Geschäftsführer. Beide führt ein Thema an den Tisch: die Idee einer Firmengründung.

Nach ein paar Tassen Kaffee, dem essenziellen Smalltalk vor wichtigen Gesprächen (man kennt sich schon länger) und einem sehr großen Teller Salat starten die beiden mit dem eigentlichen Thema, definieren Ziele, stecken Grenzen ab und erkennen frühzeitig, wo es Falschenhälse geben wird. Nach ungefähr eineinhalb Stunden ist aber klar: ja, die zwei kommen zusammen. Oder wie es der grummelige Binäro immer nennt: „Wenn ich es mir vorstellen kann, kann ich es auch bauen!“

Es folgt eine Konzeptphase im hohen Norden: Schweden. Mitten im Nirgendwo und mit gerade einmal nur 14 dB auf der Terrasse (laut Messung mit einer App) wird das im Café definierte Grobkonzept deutlich feiner granuliert. Es entstehen Unmengen von Entwürfen, Abläufen und ersten Prototypen auf Papier. Der Laptop flammt auf – eine Entwicklungsumgebung zeigt Möglichkeiten und Grenzen. Aber immer kommen diese zwei auf einen Nenner, sitzen abends am hauseigenen Kamin und wissen nicht nur um den Berg Arbeit, sondern auch, dass man es rocken kann.

Die Rückfahrt von Schweden nach Deutschland im unter Insidern bekannten „Bang Bus“ ist spannend: man hat nicht nur die wichtige Fracht in Form des Feinkonzepts im Gepäck, sondern auch eine fehlerhafte Welle für den Tacho des Vito: die Nadel blieb einfach auf 0 km/h stehen. Schätzungen ergeben, dass man um die 140 km/h fährt. Tacho: „Nein, ihr steht und fahrt gar nicht.“ Abhilfe schafft eine App mittels GPS und Ladekabel – na, immerhin besser als gar nichts. Ein Foto moderner Wegelagerei in Dänemark bleibt unterdessen ohne spätere Folgen.

Der Tag nach den 1.200 km Rückfahrt und irgendwo im Oldenburger Norden. Binäro steht auf seinem Balkon – ein heißer Becher Kaffee in der rechten Hand unterstreicht die nachdenkliche Körperhaltung. Mit einem gezielten Griff in die hintere Hosentasche holt er sein Handy hervor und startet die App zur Lautstärkepegel-Messung: 44 dB auf einem Sonntag ohne unmittelbaren Straßenverkehr. Ein Schluck aus dem Becher sorgt für Aufbruchstimmung und der Balkon wird langfristig verwaist zurückgelassen.

Das Feinkonzept, die Ablaufmodelle und Prototypen sind erfolgreich. Der Startschuss für die Umsetzung fällt – Binäro nimmt seinen Kampf auf, schreibt artig Protokolle vom Tag und hält sich an alle Regeln. Es entstehen unerwartet flexible Lösungen, komplexe Abhängigkeiten werden in simplen Abläufen versteckt und alles wird in einem eigens entwickelten Backend – eine Oberfläche für administrative oder operative Zugriffe – intuitiv verpackt.

Die Geschäftsräume können bezogen werden. Der CEO hat ein Büro im Tweelbäker dzo organisiert. Beide packen kräftig an, um es hier zügig zur Sache gehen zu lassen. Man heißt uns hier sehr freundlich Willkommen – oh, Binäro, hier gibt es eine Kaffee-Flat!

Unzählige Stunden. Unzählige Zeilen Code. Unzählige Becher Kaffee. Unzählige Stunden zu wenig Schlaf. Unerwartete Konzepterweiterungen und „das wäre auch geil“-Features. Größte Herausforderung ist die Erstellung einer n:n Bedingung in Abhängigkeiten zu den unbeschränkten Möglichkeiten in puncto Frage/Antwort. Es wird aufgrund seiner ans Whiteboard gezeichneten Form intern liebevoll „Tanne'baum“ getauft, obwohl Weihnachten sehr fern ist. Juli 2018 bringt Binäro eines dieser komplexen Features raus: überragend.

Die Zeit verstreicht weiter. Ein neues Gesicht taucht hier auf und übernimmt zukünftig Marketing und Vertrieb. Ein guter Mann, der sich zügig an den komplikationslosen Umgangston intern gewöhnt und direkt verbal mitmischt oder auch mal austeilt. Das Trio funktioniert und eine gänzlich neue Idee wird geboren.

Aufgrund einer Bedingung für den Vertrieb entsteht ein entfernt neues Mitglied im Marvel-/DC-Universum: Umfrageheld. Binnen zwei Tagen ist nicht nur die Domain gesichert, sondern auch Content eingespielt. Kleine Optimierungen folgen. Die Eintragung zur Marke ist erfolgt. Die Möglichkeiten von Umfrageheld scheinen plötzlich grenzenlos.

olpinion kommt, geht und wird unmittelbar wiedergeboren – hallelujah. Doch in einem durchgeführten Test mit unterschiedlichen Ziel- und Altersgruppen kommt der Auftritt gar nicht gut an. „Junx, ihr seid dran“ – und wieder nimmt die interne Maschinerie Fahrt auf, macht neue Layouts für einen neuen Auftritt, schreibt Texte, setzt alles nullkommanix um. Der folgende Test findet den gewünschten Anklang.

Wir schreiben nun das Jahr 2019. Es ist März – auch in Oldenburg. Der Blog ist fertig und einsatzbereit. Dies ist demnach der erste Eintrag. Geschrieben wird hier nicht nur stocksteif über Business, Termine oder „how to“-irgendwas. Das hier ist unser Spielplatz und wir schreiben aus unkontrolliert biologisch überzeugter Ideologie, was uns bewegt, fordert, überrascht oder gerade in den Sinn kommt. Es gibt Fotos – und bestimmt auch mal (sinnbefreite) Videos. Persönlich. Direkt. Unzensiert. Jetzt klingt's schon nach einer kleinen Drohung, oder? :o)

Hier schreiben Ako, Mucks und Binäro – denn wir sind die Macher hinter olpinion.