Innenstadt. Ich betrete den Gastraum durch einen weinroten, schweren Vorhang, welcher die Haupteingangstür mindestens vor Blicken von außen versiegelt. Es ist viel los, aber dennoch werde ich sofort sehr nett und freundlich als Gast begrüßt. Eigentlich ist nur das Erdgeschoss geöffnet. Aber man kennt mich und ich darf ausnahmsweise (!) deutlich abseits anderer Gäste Platz nehmen. Ich biete an, dass ich – wenn ich etwas benötige – sehr gern selbst aktiv werde und mich entsprechend beim heutigen Service-Team melde. Ich ernte ein Lächeln, bestelle ein Kaltgetränk mit Orange und bin schon auf dem Weg zu „freier Auswahl“ im eigentlich abgesperrten Bereich.

Ich wähle das halbhohe Geschoss, welches zwischen Erdgeschoss und eigentlichem ersten Stock liegt. Niemand da. Schön abseits. Es ist perfekt. Mittig platziert ist es dann auch noch der gleiche Tisch, welchen Mucks und ich am Vortag für betriebsinterne Gespräche nutzten, mit flammendem Stift Konzepte kreierten, mit nicht weniger Humor ordentlich an der Uhr drehten und erst gingen, als es – plötzlich – „letzte Runde“ hieß.

Meine Absicht ist dieses Mal eine andere. Ich muss ungestört sein, um das Material in meinem Kopf binär zu bannen: Auf dem Weg heim aus dem liebevoll bezeichneten HQ (engl.: „headquarter“ für Hauptquartier) hatte ich dann doch einen Ansatz im Kopf, der unmittelbar in Quellcode verewigt werden sollte. Naja, es soll zumindest der Gedankengang für diesen Lösungsansatz definiert werden.

Mein Netbook nimmt auf dem Tisch Platz. Die Stromversorgung (ein Solarpanel) nimmt bei gedimmten Licht die Arbeit auf. Mobilgerät daneben, Kopfhörer eingesteckt. Der gedrückte Play-Button fordert Benjamin Burnley auf, einen Track des aktuellen Albums „Ember“ mit seiner Band zum Besten zu geben. Mein Kopf bekommt ein Eigenleben in seiner Bewegung – passend zum Rhythmus des Intros von „Tourniquet“ und dem lautlosen Mitsingen der ersten Zeilen.

Etwas abgelenkt von der Wirkung – ja, ja, passiert halt auch mal –, steht plötzlich Service-Personal vor mir und strahlt mich an. Huch! Meine Limonade thront auf dem Tablett und der bunte Strohhalm ragt Richtung Decke. Wieder ein totaaal nettes Hallo und das Getränk wäre ja wohl für mich. Ich weise darauf hin, dass ich doch einen auf Selbstversorger hier oben machen wollte. Konkret kommt zurück, dass das jetzt mal eben gehen würde. Sie strahlt. Ich bedanke mich artig und ergänze die Worte „voll lieb“.

Hey, noch da? Das hier wird kein (!) Flirt-Bericht. Solltest Du jetzt beim Lesen das Gefühl haben, dass gleich eine Awww-Pointe kommt: nein, wird es nicht! Es muss aber einfach erwähnt werden, dass das Team dort einfach immer und durchweg nett auf die Gäste zugeht – sogar auf Finsterlinge wie mich. Also machen wir weiter ... und nein, es wird auch kein Quellcode-Junkie-Adventure! Vorstellungen sind das hier schon wieder – man, man, man! ;)

Das Netbook glüht. Die zehn Finger huschen flink über die Tastatur. Das theoretische Modell ist anfangs nicht kompatibel. Es wehrt sich. Es weicht aus. Blockiert und flimmert breit grinsend final mit einer Fehlermeldung auf dem Bildschirm. Ich lösche die Zeilen und schicke diese in die virtuelle Hölle binärer Unendlichkeit. Nehmt das, ihr Bits, schmort ... schmooort ... schmoooooooort! *Drama*

Ein paar Handgriffe später taucht erneut erwähnte Sie auf und fragt, ob es noch was sein dürfe. Zwar verwies ich erneut auf meinen anfangs selbst beigetragenen Kompromiss, aber sie hätte gerade unten etwas Luft und es bot sich daher (schon wieder) an. Ja, super nett. Und ich bestelle tatsächlich, bedanke mich abermals ... und irgendwie frage ich mich – losgelöst vom Netbook –, ob dies in Oldenburg Usus ist. Kann das wirklich sein?

Musik. Netbook. Gedanken. Essen. Nein, so wirklich einfach ist es nicht, aber erneut bedient mich ein strahlendes (anderes) Gesicht und serviert mir meine bestellte „Kleinigkeit“ (s. Bild). Ein kurzer Dialog mit Sara – praktisch so ein Namensschild – und da ist sie auch schon wieder weg. Ja, viel zu tun und wie sagt man: Arme und Beine bilden eine in sich rotierende Scheibe. Ich notiere auch diesen Moment, übergebe aber dann die Befehlsgewalt von der Logik auf die rudimentäre Selbsterhaltung zur Nahrungsaufnahme. Om nom nom, passt!

Abermals bediene ich das Netbook und banne meine eigentliche Idee funktional in die Binärwelt – ein gelungener Prototyp (unter uns: dieser ist mittlerweile ausgereift und fertig bei olpinion integriert). Der Pitstop hier hat sich daher gelohnt. Zufrieden lese ich abermals meinen mehrzeiligen Quellcode, während weitere Besucher auf „meiner Etage“ auftauchen. Unten scheint es nun voll besetzt und eintreffende Gäste dürfen zu mir nachrücken. Das sieht natürlich albern aus, wenn man da um 21:30 Uhr noch mit einem Netbook emsig arbeitend zwischen fröhlich lärmenden, anderen Gästen sitzt und die Blicke ... nun, die galten dann rein subjektiv betrachtet eher der Gestalt am Netbook.

Dennoch gibt es diese eine Idee, die plötzlich im Kopf „tädäää“ sagte. Oldenburg, hüte Dich! Der Binäro von olpinion fährt durch die Stadt. Mit Netbook oder Stift und Papier wird er häufiger gesehen. Und es kann passieren, dass er in Deinem Lokal steht und einen ungewöhnlichen Vorschlag unterbreitet. Allerdings bedanke ich mich ganz herzlich für die Gastfreundschaft und sende binäre, virtuelle Grüße an das Service-Personal des „Extrablatts“ in der Oldenburger City.

Was den Vorschlag für Oldenburg anbelangt:
... wird fortgesetzt aka "to be continued"!!! ;o)